Im Jahr 2025 ist der größte Chiphersteller TSMC – die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. TSMC dominiert die globale Chip-Produktion mit einem Marktanteil von 62 Prozent und erzielt 65 % seines Umsatzes mit in den USA ansässigen Firmen wie Apple, Meta oder Alphabet. In dieser Gemengelage verkündete US-Präsident Trump Ende Januar nun im Zuge seiner flood…

Von Moore’s Law zu Trump’s Law: Wer die Chips hat, hat die Macht

Im Jahr 2025 ist der größte Chiphersteller TSMC – die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. TSMC dominiert die globale Chip-Produktion mit einem Marktanteil von 62 Prozent und erzielt 65 % seines Umsatzes mit in den USA ansässigen Firmen wie Apple, Meta oder Alphabet.

In dieser Gemengelage verkündete US-Präsident Trump Ende Januar nun im Zuge seiner flood the zone-Strategie, bestehend aus Hunderten präsidialen Dekreten, neue Zölle auf Chips, pharmazeutische Produkte und Metalle aus Taiwan. Die Nachricht ging angesichts der vielen anderen Dekrete und dem Release von DeepSeek etwas unter, ist aber ein Paukenschlag. Laut Trump könnten die Zölle zwischen 25 % und 100 % betragen und sollen die heimische Produktion stärken: “They left us and they went to Taiwan… which is about 98 percent of the chip business… and we want them to come back.”

Quick Facts

Warum also sollte Donald Trump den wichtigsten strategischen Handelspartner im Pazifik mit so drastischen Zöllen belegen?

  1. Stärkung der heimischen Chip-Produktion – Die von TSMC 2020 angekündigte Fabrik in Arizona wird a) nur 4nm-Chips produzieren, b) erst in der zweiten Hälfte 2025 produktionsbereit sein und c) weiterhin in kritischen Fertigungsschritten von der Mutterfabrik in Taiwan abhängig bleiben.
  2. Geopolitische Absicherung – Falls Taiwan durch einen Konflikt mit China ausfällt, wollen die USA nicht von der dort ansässigen Chip-Produktion abhängig sein.
Wirkungen der Zölle:

Wie im letzten Beitrag zum Jevons-Paradoxon beschrieben, wird eine Verbesserung in der Effizienz von Large-Language-Models nur dazu führen, dass deren Einsatz sich vervielfacht. Daher ist langfristig mit einer deutlich stärkeren Nachfrage nach Rechenkapazität zu rechnen.

  • KI-Effizienz führt zu mehr, nicht weniger Compute-Bedarf.
  • Der Rebound-Effekt bedeutet, dass wir dringend mehr Chips brauchen.
  • Die Weltwirtschaft und die weitere Entwicklung der KI-Revolution hängen an einer geopolitisch umkämpften Insel.
Folgen

1. Die USA bereiten sich auf eine Welt ohne taiwanesische Chips vor

  • Trumps Vorgehen, trotz Taiwans geopolitischer Wichtigkeit Zölle auf taiwanesische Chips einzuführen, ergibt muss wohl als geopolitische Notfallstrategie gesehen werden. Falls Taiwan von China annektiert, destabilisiert oder der Handel mit der Insel blockiert wird, könnte die globale Chip-Produktion innerhalb weniger Wochen zusammenbrechen. Die US-Regierung scheint der Meinung zu sein, dass ein solcher drastischer Schritt notwendig ist – kein gutes Zeichen für den Rest der Weltgemeinschaft.
  • Die USA zwingen TSMC, ihre Produktion ins US-Heartland zu verlegen, auch wenn das kurzfristig zu höheren Kosten führt. Die USA müssen unter allen Umständen ein Abhängigkeitsverhältnis in der Chip-Produktion verhindern.
  • Was bedeutet das?

2. Die Grundlagen der KI-Revolution sind fragil

  • Jevons-Paradox besagt: Effizienz führt nicht zu weniger Verbrauch, sondern zu mehr Nachfrage. Wir stehen vor einem massiven Anstieg des Compute-Bedarfs – der größte Bottleneck im geopolitischen Wettlauf um die KI-Dominanz.
  • Was bedeutet das?
    • Wenn Taiwan ausfällt, könnte es Jahre dauern, bis westliche Produktionskapazitäten dies ausgleichen.
    • Algorithmische Verbesserungen und Effizienzgewinne werden essenziell (siehe DeepSeek).
    • Geopolitik bestimmt zunehmend die KI-Entwicklung, nicht nur Innovationen in Software und Modellarchitektur.
    • Eine Eskalation im Taiwan-Konflikt könnte die KI-Entwicklung auf Jahre ausbremsen.

3. Höhere Kosten auf allen Ebenen

  • Der Wettlauf um technologische Souveränität führt zu einer Fragmentierung der globalen Lieferketten. Staaten versuchen zunehmend, ihre kritische Infrastruktur innerhalb eigener Grenzen zu sichern – mit massiven finanziellen und geopolitischen Konsequenzen.
  • High-End-Chips werden teurer, weil parallele Produktionsinitiativen (USA, EU, China, Japan, weitere BRICS-Länder) und Handelskonflikte die Produktionskosten in die Höhe treiben.
  • Der Wettlauf um technologische Dominanz beschleunigt massive Investitionen in Chipdesign, Produktion und Forschung
  • Was bedeutet das?
    • Chips und werden teurer. Von GPUs bis zu Consumer-Geräten: Die Preise für Hochleistungschips könnten explodieren, da die Produktionskosten und Handelsbarrieren steigen.
    • Regionen wie die USA, China und die EU bauen ihre eigenen Chip-Ökosysteme auf, was die internationale Zusammenarbeit erschwert und Innovationen verlangsamen könnte.
    • Nationale Interessen dominieren zunehmend den globalen Technologiemarkt, was zu noch mehr Zöllen, Exportkontrollen und Handelskonflikten führt.
    • Big Tech (und v. a. die magnificent seven muss noch stärker in eigene Hardware- und Chipentwicklung investieren, um sich von geopolitischen Unsicherheiten abzusichern (siehe Googles Trillium, Apples ARM Chips, Metas KI-Supercomputer)

4. Europa muss eine Strategie für technologische Souveränität entwickeln

  • Die EU kann es sich nicht leisten, nur Zuschauerin im Chip-Wettrennen zwischen den USA und China zu sein. Bisher sind europäische Investitionen in Halbleiter und KI vergleichsweise bescheiden.
  • Was bedeutet das?

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