1000 Tage.
Wir stehen an der Schwelle zur radikalsten Transformation der Menschheitsgeschichte. Nach Einschätzung von Vorreitern der KI-Szene wie Sam Altman und Dario Amodei bleibt uns bis Ende 2027, bevor künstliche Intelligenzen faktisch alle computerbasierten und datenverarbeitenden Jobs übernehmen werden (Hinweis am Rande: Das sind sehr sehr viele). Das ist keine dystopische Fantasie. Es ist eine Prognose, die sich Tag für Tag vor unseren Augen bewahrheitet.
Die Ereignisse Anfang 2025 – Donald Trumps Inauguration, Project Stargate, die Veröffentlichung von DeepSeek und GPT o3 – haben die exponentielle Beschleunigung der KI-Entwicklung in einer Weise verdeutlicht, die kaum fassbar ist. Und doch bleibt der öffentliche Diskurs erschreckend still. Wir erleben den größten Paradigmenwechsel seit der industriellen Revolution, und dennoch scheinen wir uns nicht im Entferntesten bewusst zu sein, was das bedeutet. Wir streamen unseren Untergang – und halten es für Unterhaltung.
Menschen sind notorisch schlecht darin, exponentielles Wachstum zu begreifen. Unsere Evolution hat uns auf lineare Entwicklungen getrimmt. Exponentielles Wachstum ist kontraintuitiv, aber das entschuldigt unsere Ignoranz nicht. Unsere Unfähigkeit, exponentielles Wachstum zu begreifen wird uns zum Verhängnis. Künstliche Intelligenzen wie DeepSeek oder GPT o3 sind in den letzten Wochen (!) nicht einfach nur “schneller” oder “besser” geworden. Sie können jetzt denken, bevor sie einen Output liefern. Der Fakt, dass DeepSeek auf einem MacBook Pro läuft, ist ein untrügliches Zeichen dafür, wie effizient künftige Modelle sein werden. Wer glaubt, AGI werde auf riesige Rechenzentren beschränkt bleiben, irrt. Bald wird sie in unseren Händen liegen – auf unseren Smartphones, in unseren Wohnungen, in unseren Köpfen.
Und was dann?
Wir stehen an der Schwelle einer neuen Koexistenz. Wir haben nicht länger die Intellektuelle Vormachtstellung auf diesem Planeten. Eine zweite, womöglich überlegene Intelligenz entsteht vor unseren Augen. Denn es wird nicht bei menschlichem Intelligenzniveau bleiben. Zumindest nicht lange. Nachdem wir ein Intelligenzniveau erreicht haben, dass dem menschlichen auf einer allgemeinen Ebene entspricht, benötigt es nur einen zusätzlichen Trainingslauf auf den aktuell entstehenden Superclustern, um die Skalen in Richtung “übermenschlich” kippen zu lassen. Und die bittere Wahrheit ist: Wir haben keine mentalen Modelle, keine Frameworks und keine Ansätze um uns auf diese Realität vorzubereiten. Wir hatten Mühe, die Kopernikanische Kränkung zu akzeptieren, die Darwinsche ebenfalls – und nun kommt die nächste tiefe Kränkung: Wir sind nicht dazu bereit, den Thron der Intelligenz an KIs zu verlieren, so wie wir nicht bereit waren, die Vorstellung an unsere zentrale Stellung im Sonnensystem, und unsere Position als Krönung der göttlichen Schöpfung aufzugeben.
Unsere Gesellschaft ist blind für die Implikationen. Wir haben keine Strategie, kein Rahmenwerk, kein kollektives Verständnis. Das ist gefährlich. Die Singularität ist per Definition ein Ereignishorizont, jenseits dessen unsere Fähigkeit zur Vorhersage endet. Doch gerade deshalb müssen wir uns Visionen schaffen. Ohne eine Vision werden wir in Passivität versinken.
Was bleibt uns?
Wenn KI-Agenten – und bald verkörperte Roboter – alle intellektuellen und mechanischen Tätigkeiten besser, schneller und effizienter erledigen als wir, worin liegt dann noch unser Sinn? Kunst? Emotionale Ausdrucksformen? Neue Arten des Zusammenlebens?
Diese Fragen sind nicht länger theoretisch. Sie verlangen danach, diskutiert zu werden. Jetzt.
Ein Wandel wird kommen und er wird alles betreffen: Arbeit, Gesellschaft, Sinn, Identität. Wir müssen aufwachen, diskutieren, handeln.
Dieser Text soll kein Alarmismus sein. Er soll auch kein Hype sein. Er ist ein Weckruf. Keine Panikmache, sondern ein konstruktiver Startpunkt für den Dialog. Wir müssen jetzt handeln – oder riskieren, dass die Zukunft uns überrollt.
Bist du bereit?
Leave a comment